© Heinz Schoon 2017
Religiöse Gründe der Auswanderung
Juliane von Krüdener
Nach dem 30-jährigen Krieg entschieden sich die Herrscher für eine Glaubensrichtung, die auch die Bewohner ihres Landes annehmen mussten. Das im Westfälischen Frieden und im Augsburger Religionsfrieden festgelegte Rechtsprinzip besagt: „Cuius regio, eius religio.“ (Wessen Herrschaftsgebiet, dessen Religion.) Durch diese rigorose Form der Religionsbestimmung bildeten sich im Untergrund verschiedene oppositionelle Strömungen, die sich diesem Diktat nicht anpassen wollten. Dazu gehörten die Hugenotten, Waldenser, Hussiten, Mennoniten, Pietisten, Separatisten und die Chiliasten. Die Auswanderer nach Teplitz gehörten den Chiliasten an. Die Eingriffe in das kirchliche Leben durch die Kirchenleitung und durch den Staat förderten die Opposition zur Kirche und dem Herrscher. So wurde im Jahre 1791 ein neues Gesangbuch und 1809 eine neue Liturgieform eingeführt, die von vielen Gläubigen nicht akzeptiert wurde. In privaten Kreisen hat man in der alten Liturgie gepredigt. Die Chiliasten glaubten an das nahe Weltende. In dieser Endzeitstimmung hofften sie auf ein Zukunftsreich, wie es in den Offenbarungen des Apostels Johannes beschrieben wurde. Sie glaubten, dass Christus wieder aufersteht und ein tausendjähriges Friedensreich errichtet. (v. griech.: χιλία chilia  „tausend“, weitere Informationen finden sich auch unter „Milleniarismus“). Sie waren überzeugt, dass das tausendjährige Reich im Jahre 1836 anbricht. Die Chiliasten wollten dieses Ereignis in Jerusalem erleben. Es war jedoch nicht möglich dorthin auszureisen und so richteten sich alle Hoffnungen auf den Kaukasus. Eine der Hauptfiguren dieser Bewegung war die Baronin Juliane von Krüdener, die auch als Prophetin angesehen wurde. Sie hat die Chiliasten beeinflusst, den Berg Ararat, die angebliche Stelle an der die Arche Noah zu finden ist, als neues Ausreiseziel zu erwählen. Begünstigt wurde dieses Konzept auch durch die Kolonisationspläne der russischen Regierung. Zar Alexander I. konnte seinen Onkel Friedrich I. von Württemberg beeinflussen, das Ausreiseverbot aufzuheben. So begann 1817 der große Chiliastenzug in Richtung Osten.
© Heinz Schoon 2017
Religiöse Gründe der Auswanderung
Nach dem 30-jährigen Krieg entschieden sich die Herrscher für eine Glaubensrichtung, die auch die Bewohner ihres Landes annehmen mussten. Das im Westfälischen Frieden und im Augsburger Religionsfrieden festgelegte Rechtsprinzip besagt: „Cuius regio, eius religio.“ (Wessen Herrschaftsgebiet, dessen Religion.) Durch diese rigorose Form der Religionsbestimmung bildeten sich im Untergrund verschiedene oppositionelle Strömungen, die sich diesem Diktat nicht anpassen wollten. Dazu gehörten die Hugenotten, Waldenser, Hussiten, Mennoniten, Pietisten, Separatisten und die Chiliasten. Die Auswanderer nach Teplitz gehörten den Chiliasten an. Die Eingriffe in das kirchliche Leben durch die Kirchenleitung und durch den Staat förderten die Opposition zur Kirche und dem Herrscher. So wurde im Jahre 1791 ein neues Gesangbuch und 1809 eine neue Liturgieform eingeführt, die von vielen Gläubigen nicht akzeptiert wurde. In privaten Kreisen hat man in der alten Liturgie gepredigt. Die Chiliasten glaubten an das nahe Weltende. In dieser Endzeitstimmung hofften sie auf ein Zukunftsreich, wie es in den Offenbarungen des Apostels Johannes beschrieben wurde. Sie glaubten, dass Christus wieder aufersteht und ein tausendjähriges Friedensreich errichtet. (v. griech.: χιλία chilia „tausend“, weitere Informationen finden sich auch unter „Milleniarismus“). Sie waren überzeugt, dass das tausendjährige Reich im Jahre 1836 anbricht. Die Chiliasten wollten dieses Ereignis in Jerusalem erleben. Es war jedoch nicht möglich dorthin auszureisen und so richteten sich alle Hoffnungen auf den Kaukasus. Eine der Hauptfiguren dieser Bewegung war die Baronin Juliane von Krüdener, die auch als Prophetin angesehen wurde. Sie hat die Chiliasten beeinflusst, den Berg Ararat, die angebliche Stelle an der die Arche Noah zu finden ist, als neues Ausreiseziel zu erwählen. Begünstigt wurde dieses Konzept auch durch die Kolonisationspläne der russischen Regierung. Zar Alexander I. konnte seinen Onkel Friedrich I. von Württemberg beeinflussen, das Ausreiseverbot aufzuheben. So begann 1817 der große Chiliastenzug in Richtung Osten.