© Heinz Schoon 2017
Russische Kolonisation
Russland hatte bereits zu Zeiten des Zaren „Peter der Große“ Kolonisationspolitik betrieben. Dessen Anliegen war es, Fachleute in verschiedenen Berufen ins Land zu holen, um die Wirtschaft seines Landes zu modernisieren und deren Leistung voranzutreiben. Erst Katharina II. betrieb ländliche Siedlungspolitik. Sie wollte die dünn besiedelten Gebiete in der Wolgaregion und in Neurussland bevölkern. Den Siedlern versprach sie Privilegien, um sie nach Russland zu locken. So zogen etwa 25 000 Personen in die zu besiedelnden Gebiete. Diese Siedlungspolitik war jedoch schlecht vorbereitet. Dadurch dezimierten sich die Siedler. Bereits Zar „Paul I.“, Katharinas Sohn, veranlasste eine komplett neue Siedlungspolitik. Es war für ihn wichtig, dass auch die zugesagte Hilfe bei den Siedlern ankam. Sein Sohn, Zar Alexander I. setzte die Siedlungspolitik seines Vaters fort. Die noch von Katharina angewandte Methode zur Anwerbung der Siedler mit „leeren“ Versprechungen, um möglichst viele Siedler zu locken revidierte er grundsätzlich. Er wollte gezielt Einwanderer, die bestimmte Anforderungen erfüllten. Nicht die Zahl war wichtig, sondern die Qualifizierung. Die Kolonisten sollten sich bewerben. (siehe „Die Reise“). Sie durften keine Schulden hinterlassen und mussten ein Vermögen in Geld oder Waren von mindestens 300 Gulden nachweisen. Bevorzugt wurden Familien akzeptiert. Alleinstehende oder kinderlose Ehepaare hatten kaum Chancen. Bei der Besiedelung Bessarabien standen landwirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Die Siedler sollten das Land bebauen und Erträge erwirtschaften. Um wirklich die Heimat, Hof und Familie zu verlassen bedurfte es jedoch noch einiger weitreichenden Privilegien. So wurden den Siedlern folgende Rechte eingeräumt: 1) Religionsfreiheit 2) Befreiung vom Militärdienst 3) Selbstverwaltung auf lokaler Ebene 4) Deutsche Sprache in Schule und Kirche 5) Finanzielle Starthilfen 6) 30 Jahre Steuerfreiheit 7) Zuteilung von ca. 65 Hektar Land für jede Familie Gerade für die Chiliasten war die Religionsfreiheit ein hoher Ansporn, nach Russland auszuwandern. Dieser Sonderstatus für Kolonisten wurde jedoch bereits 1874 von Zar Alexander II. (dem Neffen von Alexander I. wieder aufgehoben. Russisch wurde Amts- und Schulsprache und auch der Militärdienst wurde wieder eingeführt. Der Verlust dieser Privilegien führte zu einer großen Anzahl von Auswanderungen der Bessarabiendeutschen nach Nord- und Südamerika. Vor allem die Befreiung vom Militärdienst war den deutschen Siedlern ein hohes Gut. Vor der Auswanderung wurden viele junge Männer in den Kriegen Friedrich I. von Württemberg „verheizt“.
© Heinz Schoon 2017
Russische Kolonisation
Russland hatte bereits zu Zeiten des Zaren „Peter der Große“ Kolonisationspolitik betrieben. Dessen Anliegen war es, Fachleute in verschiedenen Berufen ins Land zu holen, um die Wirtschaft seines Landes zu modernisieren und deren Leistung voranzutreiben. Erst Katharina II. betrieb ländliche Siedlungspolitik. Sie wollte die dünn besiedelten Gebiete in der Wolgaregion und in Neurussland bevölkern. Den Siedlern versprach sie Privilegien, um sie nach Russland zu locken. So zogen etwa 25 000 Personen in die zu besiedelnden Gebiete. Diese Siedlungspolitik war jedoch schlecht vorbereitet. Dadurch dezimierten sich die Siedler. Bereits Zar „Paul I.“, Katharinas Sohn, veranlasste eine komplett neue Siedlungspolitik. Es war für ihn wichtig, dass auch die zugesagte Hilfe bei den Siedlern ankam. Sein Sohn, Zar Alexander I. setzte die Siedlungspolitik seines Vaters fort. Die noch von Katharina angewandte Methode zur Anwerbung der Siedler mit „leeren“ Versprechungen, um möglichst viele Siedler zu locken revidierte er grundsätzlich. Er wollte gezielt Einwanderer, die bestimmte Anforderungen erfüllten. Nicht die Zahl war wichtig, sondern die Qualifizierung. Die Kolonisten sollten sich bewerben. (siehe „Die Reise“). Sie durften keine Schulden hinterlassen und mussten ein Vermögen in Geld oder Waren von mindestens 300 Gulden nachweisen. Bevorzugt wurden Familien akzeptiert. Alleinstehende oder kinderlose Ehepaare hatten kaum Chancen. Bei der Besiedelung Bessarabien standen landwirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Die Siedler sollten das Land bebauen und Erträge erwirtschaften. Um wirklich die Heimat, Hof und Familie zu verlassen bedurfte es jedoch noch einiger weitreichenden Privilegien. So wurden den Siedlern folgende Rechte eingeräumt: 1) Religionsfreiheit 2) Befreiung vom Militärdienst 3) Selbstverwaltung auf lokaler Ebene 4) Deutsche Sprache in Schule und Kirche 5) Finanzielle Starthilfen 6) 30 Jahre Steuerfreiheit 7) Zuteilung von ca. 65 Hektar Land für jede Familie Gerade für die Chiliasten war die Religionsfreiheit ein hoher Ansporn, nach Russland auszuwandern. Dieser Sonderstatus für Kolonisten wurde jedoch bereits 1874 von Zar Alexander II. (dem Neffen von Alexander I. wieder aufgehoben. Russisch wurde Amts- und Schulsprache und auch der Militärdienst wurde wieder eingeführt. Der Verlust dieser Privilegien führte zu einer großen Anzahl von Auswanderungen der Bessarabiendeutschen nach Nord- und Südamerika. Vor allem die Befreiung vom Militärdienst war den deutschen Siedlern ein hohes Gut. Vor der Auswanderung wurden viele junge Männer in den Kriegen Friedrich I. von Württemberg „verheizt“.